Karl Popper: Politischer Denker, Wissenschaftstheoretiker, moderner Aufklärer Symposium zum 25. Todesjahr von Karl Popper am 6. April 2019 in Nürnberg  
© Gesellschaft für kritische Philosophie/Humanistische Akademie Bayern 2018

Programm

Ablauf

  Uhrzeit   Programmpunkt   10.00       Begrüßung   10.15       Dr. Martin Morgenstern (St. Wendel/Saar):                  Karl Popper als moderner Aufklärer   11.00       Prof. Dr. Thomas Rießinger (Bensheim):                  Poppers „Logik der Forschung“   11.45       Kaffeepause 1   12.15       Prof. Dr. Dr. Gerhard Vollmer (Freiburg):                  Karl Poppers Evolutionäre Metaphysik   13.00       Mittagspause   14.15       Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber (Brühl):                  Poppers Beitrag zur Ideologiekritik von Extremismus und                   Totalitarismus. Acht Strukturmerkmale einschlägigen Denkens   15.00       Dr. Gerhard Engel (Hildesheim):                  Die offene Gesellschaft und ihre Grenzen   15.45       Kaffeepause 2   16.15       Dr. Hans-Joachim Niemann (Poxdorf):                  Poppers Beiträge zu Ethik und Moral   17.00       Podiumsdiskussion mit den Referenten                                                        18.15       Ende der Veranstaltung Nach jedem Vortrag sowie im Rahmen der Podiumsdiskussion besteht für die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen zu stellen und Diskussionsbeiträge zu äußern.

Themen

Karl Popper als moderner Aufklärer Dr. Martin Morgenstern Ausgangspunkt des Eröffnungsvortrags ist Poppers Selbstverständnis als „Nachzügler“ der Aufklärung und sein Grundvertrauen, durch kritische Vernunft auf dem Weg zu Erkenntnis und Humanität voranzuschreiten. Als Grundzug seines Denkens wird die aufklärerische Kritik überzogener Vernunft- und Erkenntnisansprüche herausgestellt. Sie führt ihn sowohl zu einer fallibilistischen Auffassung von Wissenschaft und Erkenntnis als auch zur Kritik politischer Theorien wie Historizismus und Utopismus. Im Sinne dieser kritisch- aufklärerischen Intention wird auch Poppers Verteidigung der Demokratie und offenen Gesellschaft gegen die Versuchungen totalitären Denkens vorgestellt. Schließlich wird die kritisch-rationale Grundhaltung als modernes aufkläreri- sches Ethos verdeutlicht, das die Voraussetzungen einer rationalen Diskussion enthält. Poppers „Logik der Forschung“ Prof. Dr. Thomas Rießinger Die „Logik der Forschung“ war Poppers Erstlingswerk, mit dem er sofort entscheidend in die wissenschaftstheoretische Diskussion eingriff. Popper schlägt hier mit dem Falsifikationskriterium eine Lösung des Problems der Abgrenzung zwischen empirischen und nicht-empirischen Systemen vor, das sich fundamental von dem bis dahin vorherrschenden Verifikationskriterium der Positivisten unterscheidet. Ein Induktionsprinzip kann es nach Popper nicht geben; was es gibt, ist das Verfahren, Hypothesen strenger Kritik und strengen Prüfungen auszusetzen. Sätze der empirischen Wissenschaft haben immer nur den Charakter von Hypothesen, sie können sich unter bestimmten Bedingungen bewähren, aber nie bewiesen werden. In seiner „Logik“ hat Popper diese Grundideen im Einzelnen ausgearbeitet. Der Vortrag soll einen Überblick über dieses Werk geben, das seit langer Zeit als wissenschaftstheoretisches Standardwerk gilt. Karl Poppers Evolutionäre Metaphysik Prof. Dr. Dr. Gerhard Vollmer Näheres in Kürze. Poppers Beitrag zur Ideologiekritik von Extremismus und Totalitarismus. Acht Strukturmerkmale einschlägigen Denkens Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber Karl R. Popper hat auch bedeutsame Beiträge zur Extremismus- und Totalitarismusforschung geliefert, wobei sich sein kritischer Blick auf die entsprechenden ideologischen Prägungen richtete. Seine Auffassungen finden sich indessen quer über sein Werk verstreut. Die gemeinten Bestandteile sind: erstens der exklusive Erkenntnisanspruch (Glaube an ein „höheres Wissen“), zweitens der dogmatische Absolutheits- anspruch (Behauptung der unbezweifelbaren Richtigkeit eigener Positionen), drittens das essentialistische Deutungsmonopol (alleinige Erfassung des „wahren Wesens“ der Dinge), viertens die holistischen Steuerungsabsichten (angestrebte ganzheitliche Kontrolle der Gesellschaft), fünftens das deter- ministische Geschichtsbild (Wissen um den vorgegebenen historischen Weg), sechstens die identitäre Gesellschaftskonzeption (Forderung nach politischer Homogenität der Gesellschaft), siebtens den dualistischen Rigorismus (Denken in kompromisslosen Gegensatzpaaren wie Gut-Böse) und achtens die fundamentale Verwerfung (rigorose Verdammung des Bestehenden). Was damit jeweils gemeint ist, wie Popper es begründet hat und worin sich so etwas heute artikuliert, ist Thema des Vortrags. Die offene Gesellschaft und ihre Grenzen Dr. Gerhard Engel Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Allerdings wird selten gesehen, dass ökologische Nachhaltigkeit die soziale Nachhaltigkeit voraussetzt: Wer sich im (Bürger-)Krieg befindet, nimmt auf die Umwelt keine Rücksicht. Daher ist, entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil, der Mitweltschutz wichtiger als der Umweltschutz. Wie ist unter dieser Perspektive die Nachhaltigkeit der „Offenen Gesell- schaften“ einzuschätzen? Der Vortrag unterzieht dieses Poppersche Konzept aus zwei Perspektiven einer kritischen Betrachtung. Zum einen werden die inneren Grenzen thematisiert, die sich aus der demokratisch organisierten Destabilisierung der politischen und ökonomischen Grundlagen der Demokratie selbst ergeben. Hier haben wir durchaus Anlass, in einigen Punkten Platon gegen Popper in Schutz zu nehmen. Zum anderen geht es um die äußeren Grenzen: Wie muss Migration organisiert werden, damit nicht nur (wie beim UN-Migrationspakt) die Interessen der Migranten, sondern auch die der aufnehmenden Bevölkerungen berücksichtigt werden? Poppers Beiträge zu Ethik und Moral Dr. Hans-Joachim Niemann Kritischer Rationalismus ist kein „halbierter Rationalismus“, der sich auf Wissenschaftstheorie beschränkt und Ethik ausspart. Fünfzig Jahre nach Jürgen Habermas‘ Diktum ist die Zeit reif für eine neue Einschätzung. Zwar hat Karl Popper tatsächlich kein Ethikbuch geschrieben, aber er hat in seinen Aufsätzen, Vorträgen, Vorlesungen und Buchbeiträgen so viele Texte über Ethik und Moral hinterlassen, dass damit leicht ein umfangreiches Buch gefüllt werden könnte. Ich habe selbst viel davon zutage gefördert, auch aus Fußnoten und Archivmaterial, und will hier einen Überblick über Karl Poppers drei theoretische Ethiken und seine vielen praktischen Vorschläge zur individuellen und institutionellen Moral geben.

Tagungsort

Das Symposium findet in Nürnberg im Marmorsaal der „Nürnberger Akademie“ statt (siehe die oberen zwei Fotos links auf dieser Seite). Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Gewerbemuseum, erbaut von 1892 von 1897 im Stil eines repräsentativen neobarocken Schlosses. Das Museum war zugleich handwerkliche und industrielle Bildungsstätte zur Vermittlung der künstleri- schen Gestaltung von Gebrauchsgegenständen - heute würde man „Design“ sagen.

Essen & Trinken

In den beiden Kaffeepausen (11.45 Uhr und 15.45 Uhr) wird es nicht nur Getränke, sondern auch süße und herzhafte Kleinigkeiten zu essen geben. Die Verpflegung in diesen beiden Pausen ist im Teilnahmebeitrag inbegriffen. Das Mittagessen (13.00-14.15 Uhr) nehmen die Teilnehmenden in einer Lokalität ihrer Wahl und auf eigene Kosten ein. Wir empfehlen zum einen den Marientorzwinger (ca. 3 Gehinuten vom Veranstaltungsort), der im Augenblick allerdings geschlossen ist - ob er rechtzeitig zum Symposium wiedereröffnet wird, ist noch nicht bekannt. Ebenfalls empfehlenswert ist zum anderen das Restaurant Heilig-Geist-Spital, das ca. 5 Gehminuten vom Tagungsort reizvoll in der Nürnberger Altstadt liegt (siehe die drei unteren Fotos links auf dieser Seite; Lageplan und Wegbeschrei- bung im PDF ebenda).
Der Weg vom Tagungslokal zum Heilig-Geist-Spital; hier der Lageplan mit Wegbeschreibung als PDF-Download.
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